Der Konflikt zwischen Meeresschutz und Fischerei ist Thema einer Ausstellung in Bremen | (c) Julia Ochs
- Meeresschutz-Verbände fordern Kurswechsel bei Fischereipolitik
- BUND klagt für wirksamen Schutz von Fehmarnbelt, Doggerbank und Co.
- Protestaktion in Bremen gegen Grundschleppnetze
Die Meere stehen unter massivem Druck: Industrielle Fischerei, die Auswirkungen der Klimaerwärmung sowie die zunehmende wirtschaftliche Nutzung der Meere setzen marine Ökosysteme unter Stress. Gleichzeitig dürfen in ausgewiesenen Meeresschutzgebieten weiterhin zerstörerische Grundschleppnetze eingesetzt werden. Selbst in den Gebieten, in denen diese Fangmethode verboten wurde, kommt illegale Fischerei vor. Anlässlich der Eröffnung der Ausstellung “Gefangen – Geschichten von beiden Seiten des Netzes” auf dem Bremer Domshof fordern die Küsten-Landesverbände, der Bundesarbeitskreis Meer und Küste und das Meeresschutzbüro des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) einen konsequenten Kurswechsel in der Meeres- und Fischereipolitik. Begleitet wird die Ausstellung von einer Protestaktion.
BUND-Meeresschutz-Verbände: “Ein Schutzgebiet, in dem schwere Grundschleppnetze über den Meeresboden gezogen werden dürfen, verdient diesen Namen nicht. Die Bundesregierung und die zuständigen Länder müssen dafür sorgen, dass aus Schutz auf dem Papier endlich Schutz in der Praxis wird. Wir brauchen klare Regeln für den Meeresschutz, konsequente Kontrollen und den politischen Willen, diese auch durchzusetzen.”
Fehmarnbelt: Meereszerstörung muss Konsequenzen haben
Selbst Meeresschutzgebiete, die offiziell für die Grundschleppnetzfischerei gesperrt wurden, sind noch nicht sicher: Aktuelle Berichte über illegale Fischerei im Ostsee-Schutzgebiet Fehmarnbelt verdeutlichen, dass es nicht allein um fehlende oder unzureichende Regeln geht. Entscheidend sind auch effektive Kontrollen und die konsequente Verfolgung und Ahndung von Verstößen.
Das gilt auch für die Doggerbank, einem Schutzgebiet auf einer der ökologisch bedeutendsten Sandbänke der Nordsee. Im November letzten Jahres wurde das Zuhause von Schweinswalen, Riesenhaien, Papageientauchern und Sandaalen zumindest teilweise für die Grundschleppnetzfischerei gesperrt.
Seit September 2024 klagt der BUND gegen die Bundesregierung, um einen wirksamen Schutz der deutschen Meeresschutzgebiete durchzusetzen. Die Verhandlungen stehen noch aus. Sicher ist: Um die Doggerbank, den Fehmarnbelt und zahlreiche andere deutsche Meeresschutzgebiete endlich wirksam zu schützen, braucht es deutlich mehr als nur Linien auf Landkarten. Bund, Länder und die zuständigen europäischen Behörden müssen eng zusammenarbeiten und über die Mindestanforderungen des Meeresschutzes hinaus Ambitionen für eine Transformation des Sektors zeigen.
Abschluss der Fischereitage in Wilhelmshaven: Transformation muss jetzt beginnen
Beim Transformations-Symposium und den anschließenden Deutschen Fischereitagen steht eine zentrale Frage im Mittelpunkt: Wie kann die Fischerei so umgestaltet werden, dass sie langfristig wirtschaftlich tragfähig wird, ohne die natürlichen Grundlagen ihrer eigenen Existenz zu zerstören?
Viele Fischer*innen leiden unter wirtschaftlichem Druck, unsicheren Zukunftsaussichten und stecken in jahrzehntealten Strukturen fest. Eine sozial gerechte Transformation darf deshalb nicht allein auf Fangverbote setzen. Sie braucht politische Unterstützung für umweltschonende Fangmethoden, tragfähige alternative Geschäftsmodelle, faire Vermarktungsbedingungen und verlässliche Perspektiven. Gleichzeitig darf die wirtschaftliche Lage des Sektors nicht dazu führen, dass notwendige ökologische Schutzmaßnahmen immer wieder vertagt oder aufgeweicht werden.
BUND-Meeresschutz-Verbände: „Während sich die Meere stärker als jemals zuvor wandeln, bleibt die Fischerei stehen – und die Politik schaut zu. Es gibt so viele gute Ideen und Beispiele dafür, wie Fischerei umweltgerecht und fair sein kann, doch es fehlt an Mut und Ambitionen, diese zum neuen Normal zu machen.“
Mehr Informationen:
- Protestaktion im Rahmen der Ausstellung “Gefangen – Geschichten von beiden Seiten des Netzes”: Die BUND-Meeresschutzverbände versammeln sich heute, am 29. Oktober, um 14 Uhr auf dem Domshof in Bremen, um gegen Grundschleppnetze in Schutzgebieten und die Notwendigkeit für eine Transformation des Fischereisektors zu protestieren. Es gibt die Möglichkeit zu Pressefotos und kurze Interviews mit den Expert*innen aus BUND Bundesverband und BUND Landesverbänden.
- Ausstellung “Gefangen – Geschichten von beiden Seiten des Netzes”. Noch bis zum 31.10.2026 lädt die Kunstausstellung auf dem Bremer Domshof Bürger*innen, Politiker*innen und den Fischhandel dazu ein, den schon lange andauernden Konflikt zu beenden und über gemeinsame Lösungen zu visionieren. Großformatige Fotografien von Julia Ochs zeigen die Schönheit und Verletzlichkeit des Meeres, aber auch die Arbeitsrealität der Menschen an Bord von Fischereischiffen.
- Informationen zur Doggerbank-Klage
- BUND-Bundesarbeitskreis Meer und Küste
Kontakt:
- Valeska Diemel, Fischerei-Expertin, BUND-Meeresschutzbüro; valeska.diemel(at)bund.net, Mobil: 0178/8101714
- BUND-Pressestelle: Daniel Jahn | Clara Billen | Lara Dalbudak | Sigrid Wolff (derzeit abwesend), Tel.: +49 30 27586-531 | -464 | -425 | 497